Jascha beim Chicago Marathon

Am Sonntag, 13. Oktober 2019 war es dann soweit. Nachdem ich im Sommer die 100km von Ziel verletzungsbedingt zwei Wochen vorher zähneknirschend absagen musste, stand das zweite (Lauf-) Highlight in diesem Jahr auf dem Programm. Der Chicago-Marathon 2019! Ebenfalls einer der sechs Welt Major-Läufe. Insgesamt mein Dritter Major-Lauf nach Berlin und New York (die weiteren sind London, Tokio und der Sehnsuchtsort Boston). Nachdem ich letztes Jahr im Herbst den Startplatz bekommen hatte ging es jetzt los. Die Anreise über Frankfurt war einigermaßen beschwerlich, auch die Zeitumstellung hat mir ordentlich zu schaffen gemacht. Ein paar Tage vor dem Start bin ich bereits in Chicago angekommen und habe mich etwas mit der Stadt vertraut gemacht. Alles ist, ähnlich wie vor 2 Jahren in New York, einfach etwas größer als man das gewohnt ist. Im Grunde schaut man die ganze Zeit über aber einfach nur nach oben. Neben der beeindruckenden Skyline gibt Chicago noch der Lake Michigan, der riesige Ausmaße hat, den Flair einer Hafenstadt am Meer. Typisch für das Stadtbild ist ebenfalls die U-Bahn in Chicago die aufgrund von Platzmangel in der Stadt dann einfach als Hochbahn kurzerhand nach oben verlegt worden ist. Der Marathon selbst verläuft mitten durch die Stadt. Start- und Zielpunkt ist der Grant Park im Zentrum von Chicago und direkt am Lake Michigan gelegen. Das Umfeld war mit Temperaturen von ca. 10 Grad (vor dem Start eher bei 4 Grad) trockenem und sonnigem Wetter gut zum laufen geeignet. Lediglich mit dem Wind hatte man immer wieder zu kämpfen, aber das ist ganz normal in „Windy City“ wo konstant ein Wind vom Lake Michigan her weht. Der auch wirklich nervig und anstrengend sein kann…
Es war also angerichtet!

Alles war perfekt organisiert, die Einteilung der Läufer in Gruppen (Wave´s) sowie die darin festgelegten Untergruppierungen (Corrals´s). Insgesamt waren ca. 48.000 Menschen aus aller Herren Länder für den Marathon angemeldet. Dabei musste mindestens eine Zielzeit von 6:30hr erreicht werden um nicht aus dem Rennen genommen zu werden. Ich selbst war in Wave 1 und in Corral B fast ganz vorne eingruppiert. Nach der obligatorischen US-Hymne, bei der wieder alles ordentlich stramm gestanden hat, ging es dann endlich los. Pünktlich um 07:30 Uhr war Startschuss (07:30 Uhr hatte aufstehen um 03:30 Uhr bedeutet um rechtzeitig am Start zu sein). Die ersten paar Kilometer war es wieder ordentlich voll, sehr viele Leute unterwegs. Also Platz schaffen, zick zack laufen und ausweichen. Alles ganz normal. Wie in New York war ebenfalls wieder sehr viel Polizei im Einsatz. Auch die großen Einfallstraßen wurden in Chicago komplett mit Müllfahrzeugen abgesperrt. Und wo kein Müllfahrzeug gestanden hat, war ein Polizeiauto in der Nähe. Die Angst vor einem möglichen Anschlag schwingt dann leider doch noch immer sehr mit. Man konnte dies auch an den vielen Polizeihubschraubern erkennen, die gerade am Start sehr offensichtlich waren.  Das komplette Rennen über wurde ebenfalls wieder von sehr vielen Menschen am Streckenrand begleitet. Die Stimmung war gut, laut, bunt und vor allem aber friedlich! Es ist schön zu sehen, wie Kinder am Straßenrand sich freuen wenn man abklatscht, man von wildfremden Menschen angefeuert wird und die ganz viele selbst gemalte Plakate („Tap here to power up“, „Steve, your future girlfriend is in Boston“) mitbringen. Ich hatte mir eine Zeit von unter 03:10hr vorgenommen. Dafür lag ich den ganzen Marathon über komplett im Plan. Bis ca. 3km vor dem Ziel wäre es auf eine Endzeit von ca. 03:08hr heraus gelaufen. Die letzten 3km war ich dann aber schlicht ausgedrückt „einfach nur platt“. Nichts ging mehr. Hab mir da mein Fahrrad zurück gewünscht… Die Endzeit lag dann bei 03:10:35hr. Leider eine halbe Minute über meiner eigenen Vorgabe, die ebenfalls die Vorgabe für eine Bewerbung für den Boston-Marathon ist.  Vielleicht hätte ich mir das viermalige pinkeln während des Laufs verkneifen sollen. Dann würde es wohl zur 03:09hr gereicht haben. So war es aber einfach angenehmer. Ein Problem war meiner Meinung nach ebenfalls die Verpflegung. Die ersten ca. 25km gibt es keine Verpflegung sondern lediglich Trinkstationen. Erst gegen Ende hin werden hin und wieder Bananen gereicht. Das ist für mich aber zu spät gekommen. Ich hatte den gesamten Lauf über lediglich eine Banane zu essen. Auch fehlen leider wie in New York die Duschmöglichkeiten im Zielbereich. Das ist aber für so eine Menge an Menschen schwer zu organisieren. Außerdem war der Lake Michigan ja nicht weit weg… Aber dann wieder das Problem Wind sobald man aus dem Wasser kommt…

Mein Fazit, Chicago ist ein toller Lauf in einer tollen Stadt. Der Lauf ist sehr gut organisiert und gibt vielen Menschen die Möglichkeit teil zu nehmen am Erlebnis Marathon. Den Flair von New York erreicht der Chicago-Marathon meiner Meinung aber trotzdem nicht ganz. Aber das ist eine persönliche Meinung. Wer die Chance hat hier einmal teilzunehmen, sollte diese Chance auf jeden Fall wahrnehmen. Schon allein weil einen Startplatz zu bekommen trotz der hohen Teilnehmerzahl ebenfalls auch etwas Glückssache ist.
Nächstes Jahr dann wieder mehr Radl fahren…

Sportliche Grüße

Euer Jascha 

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